4. Rundmail Januar 2012
Hallo ihr Lieben,
oh, es ist schon wieder etwas lange her, dass ich das letzte Mal geschrieben habe, aber dafür wird das jetzt eine super ausführliche Mail. Ich hoffe, ihr verzeiht mir. ![]()
In der letzten Zeit war einfach super viel zu erledigen und zu tun – Weihnachten, viele neue Dinge im Projekt und meine erste lange Reise in Indien. Mal sehen was mir gleich so in den Sinn kommt, was ich euch erzählen sollte. Viel Spaß beim Lesen!
Erst mal ein wenig aus meinem Projekt. Das macht mir im Moment nämlich riesigen Spaß, weil die Kinder einfach soo super süß sind!
Kurz vor Weihnachten haben wir für die Eltern unserer Kinder einen Informationstag bezüglich unseres Zahnprojekts veranstaltet. Mit ein bisschen Verspätung, die wir kurzerhand mit einem leckeren Chai überbrückt haben, waren fast alle Eltern da. Zuerst durften sich alle vorstellen und erzählen, welche der Kinder die eigenen sind. Echt witzig, denn teilweise waren mir Verwandtschaften gar nicht aufgefallen und wenn man dann die Kinder nebeneinander sieht, kann man das eigentlich gar übersehen. Außerdem war es echt schön, die Eltern ein bisschen kennen zu lernen.
Um allen die Wichtigkeit der Zahnpflege ein bisschen näher zu bringen, hatten wir im Vorhinein ein Theaterstück mit den Mädels eingeübt. Ich war echt überrascht, wie gut die Aufführung geklappt hat, da bei den Proben zuvor immer ziemlich viel durcheinander gegangen war. Außerdem war es super cool, wie sich die Kinder gefreut haben, mitspielen zu dürfen. Selbst über die kleinsten Aufgaben, es gab zum Beispiel ein Kind, das nur Zahnpaste und -bürste überreicht hat, haben sich alle sehr gefreut und waren nach gelungener Aufführung sehr stolz. Das hat mir große Lust gemacht, so etwas vielleicht noch einmal zu versuchen! Dann haben wir über unseren Plan erzählt, mit den Kindern den Zahnarzt zu besuchen. Savi, eine indische Freundin von uns hatte sich bereit erklärt, für uns zu übersetzen, da Hindi immer noch nicht einfach ist, und am Schluss haben wir noch einmal an alle Zahnbürsten verteilt.
Am Tag nach dem Elterninformationstag haben wir mit dem Nähkurs und der Computerklasse einen Ausflug zum Akshardham Temple gemacht. Das ist ein vor kurzem erst neu gebauter, riesiger Hindu Temple, der mich vor allem wegen der vielen Detailarbeit, die bis in Kleinste ausgefeilt scheint, echt beeindruckt hat. Auch ist es irgendwie nochmal etwas Anderes einen Tempel zu besuchen, der, bis auf Kleinigkeiten, noch komplett erhalten ist. Hier die deutsche Broschüre, falls ihr Lust habt, ein bisschen zu lesen.
http://www.akshardham.com/brochure/akshardhambrochuregerman.pdf
Mit dem Projekt war das echt ein ziemlich chaotischer, aber schöner Ausflug. Chaotisch vor allem, weil die Informationsweitergabe in Indien einfach nochmal um einiges kompliziertes ist, als in Deutschland, schöner, weil sich alle sehr gefreut haben. Die Mädchen haben extra ihre feinen Kleider angehabt und sich schön geschminkt für das Picknick.
Außerdem sind wir mit unseren Kleinen, der Jungsklasse und Aribas Mädels einen Tag zum Bal Bhawan Center gefahren. Das ist ein Ort, an dem verschiedene Dinge für Kinder angeboten werden. Es gibt Bastel- und Werkangebote, einen Science-Workshop, ein Aquarium und Museum zu besichtigen. Am coolsten ist aber ein für indische Verhältnisse sehr gut ausgebauter und relativ sicherer Spielplatz. Nach verspäteter Abfahrt (Busfahrer: „Ich musste noch tanken.“) basteln wir erst Masken, dann verspeisen wir unser selbstmitgebrachtes Essen und nach einer persönlichen Führung, die wir bekommen, weil ich mich zuvor ein bisschen mit dem Museumsbetreuer unterhalten habe, werden einige technische Dinge erklärt und ausprobiert. Das Spielen am Ende habe ich aber noch am lebhaftesten in Erinnerung behalten. So viele Kinder auf einem Haufen habe ich selten gesehen und wieder ist mir bewusst geworden, wie viele Menschen hier leben und geboren werden. Vielleicht hilft es zur Vorstellung ein Wenig, wenn man versucht sich ein Bild von ca. 500 Kindern in den Kopf zu rufen, die alle gleichzeitig einen Spielplatz erstürmen, auf dem um die 12 Geräte stehen. Ein bisschen kam mir das Rutschen und Kinder auffangen wie Fließbandarbeit vor. Vielleicht mit dem Unterschied, dass jedes einzelne der rutschenden Kinder mich mit freudestrahlendem Gesicht angelächelt hat. Ich glaube, alle waren super glücklich als wir nach Hause gefahren sind. Das war echt wunderschön!
In Indien wird Weihnachten übrigens am 25.12. mit Christmascake und viel zu glitzrigen Weihnachtsbäumen, die oft aus Plastik sind, gefeiert. Insgesamt ist das Fest hier aber einfach viel kleiner, weil die meisten Menschen es als Muslime und Hindus nur als freien Tag genießen.
Wir haben im Projekt mit singen, dem Erzählen der Weihnachtsgeschichte und deutschen Bräuchen und Jan als Bonbons verteilenden Weihnachtsmann gefeiert. Das war echt sehr niedlich.
Vor ein paar Tagen haben wir mit den Zahnarztbesuchen begonnen. Über unsere Koordinatorin Rita haben wir die super, nette, junge Frau gefunden, die zwar ziemlich außerhalb wohnt, unsere Kinder aber bis auf die Materialkosten umsonst behandelt. Ein bisschen verspätet, weil einer der Jungs noch geholt werden musste, machen wir uns auf den Weg Richtung Metro. Als erwähne, dass wir dieses super moderne, erst vor kurzen, wegen der Common World Games gebauten Transportmittel benutzen werden, hüpfen die Kinder fast vor Freude. Wir haben die sechs mit den schlimmsten Zähnen ausgesucht und ich habe ein wenig Bauchschmerzen, wenn ich daran denke, was ihnen bevorsteht. Aber erst mal sind alle glücklich und freudig aufgeregt. Die Treppe hoch zur Plattform ist eine Rolltreppe, was sehr spannend, weil die Jungs zu ersten Mal dieses sich so wunderbar bewegende Ding benutzen. Auch das Metro fahren ist spannend, alles so automatisch und organisiert. Ich merke, wie normal das Ganze für mich eigentlich ist und bin gleichzeitig begeistert, dass die sich meine Jung so freuen. Obwohl wir spät dran sind, gibt es vor dem Zahnarzt noch schnell etwas zu Essen, damit der Hunger in der Zeit, in der danach vielleicht nichts gegessen werden darf nicht zu groß wird. Da unsere mühsam selbstgemachten Wraps keine große Begeisterung auslösen, kaufen wir zu Obst und Trinkpäckchen schnell noch etwas vom Straßenstand. Dann Zähneputzen und hinein in die Praxis. Irgendwie hatte ich mir das schon noch ein bisschen anders vorgestellt, größer vor allem und moderner, aber dies ist halt Indien. Die Zahnärztin ist wirklich nett und erklärt unseren Kindern noch einmal, wie man richtig putz und zeigt außerdem ein Schema verschiedener Kariesstadien. Dann werden die Kinder untersucht und als wäre es das Normalste der Welt dürfen alle zusehen und es werden ganz offen die Probleme der Kinder diskutiert.
Dazu kann ich noch erzählen, dass ich einmal von einem Freund durch ein Krankenhaus geführt wurde. Ganz offen hat er mir von den verschiedenen Krankheiten erzählt und sogar angeboten, dass ich bei OPs zusehen könnte. Gibt es hier überhaupt eine Art Arztgeheimnis?
Unsre Kinder haben übrigens echt sehr viele große Löcher und auch zwei Zähne müssen gezogen werden. Gott sei Dank sind wenigstens noch relativ viele Milchzähne da, so dass ein bisschen mehr Hoffnung besteht, dass mit 35 noch nicht alle Zähne abgestorben sind.
Ich glaube insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Besuch. Es müssen zwar vier der sechs Kinder noch einmal kommen, aber fast alle waren super tapfer. Wenn ich daran denke, fällt mir immer wieder auf, wie schnell ich die Kinder hier mit deutschen Kindern vergleiche. Vor allem denke ich, dass die Kinder hier wesentlich mehr Schmerzen gewohnt sind. So sind zum Beispiel schon einige der Wurzeln komplett abgestorben. Wahrscheinlich kann ich mir solche Schmerzen gar nicht vorstellen. Schon mal als kleines Dankeschön schenken wir der Ärztin Blumen, die Kinder haben für sie gebastelt und ich spende eine der deutschen Milka-Schokoladentafeln, die ich zu Weihnachten geschickt bekommen habe. Für unsre Kinder gibt’s ein paar Bundstifte und Eis zur Aufmunterung und Kühlung.
Für mich war es echt ein sehr anstrengender, aber spannender und schöner Tag.
Gestern habe ich Strümpfe an meine Kleinen verteilt. Im Moment haben wir hier nämlich um die 5 -10 Grad und viele der Kinder laufen immer noch mit Flip Flops herum. Ohne wirkliche Dämmung und Heizung ist das nicht nur ungemütlich, sondern auch gesundheitlich nicht gut. Also bin ich kurzerhand Socken einkaufen gegangen. Sehr Bunte und ziemlich Niedliche habe ich ausgesucht und mit den Namen versehen, wurden sie gleich anprobiert. Es ist immer wieder schön, wie sich die Kinder freuen können! Außerdem war es für mich sehr witzig zu sehen, wie Maya die Strümpfe zugeordnet hat. Kaum zu glauben, aber genau die zwei niedlichsten und verpeiltesten kleinen Jungs haben die Knallpinken bekommen. Wieder ein super cooles Beispiel für das indische Farbdurcheinander.
Ich habe festgestellt, dass es echt etwas hat ein Reisetagebuch zu schreiben. Hier sind ein paar meiner Einträge aus Jans und meinem Buch. Vielleicht kurz als Überblick: zunächst habe ich Jan 4 Tage ein bisschen Delhi gezeigt, dann sind wir über Agra (Taj Mahal) und Sevagram (Ashram) nach Kerala gefahren. Hier ein paar meiner Einträge.
Mir fällt aber noch etwas Spannendes ein, dass auf keinen Fall in unserem Abenteuer Indien fehlen darf: Das Basti! Von Old Delhi zurück müssen wir auch gleich wieder los in Richtung des muslimischen Viertels, das ca. 15 Min zu Fuß von unserem Haus entfernt in Nizamuddin liegt. Denn um 17:00 Uhr wartet Kamal, ein mit Henning und Marlen (zwei meiner Flatmates, die in dem Viertel arbeiten) befreundeter Inder, auf uns. Nach einem Begrüßungschai geht es los. Enge, verwinkelte Gässchen, kleine Läden, alte Gebäude. Nach einer halben Minute haben wir vollends die Orientierung verloren. Wir tauchen ein in eine weitere Welt Delhis, die Geschichten erzählt. Ein Vogel ruft zur richtigen Zeit, zwei Rivalen enden beide tot, ein Philosoph erfindet eine Sprache und ein schlauer Mann sorgt mit seiner List für das Wohlergehen der Bewohner…schade, dass die Namen schon verschwommen sind. Noch gestochen scharf und klar zu sehen sind hingegen die Bilder von Moscheen und Gräbern, vor allem von einem Gang zu einem Tempel in Wassernähe vorbei an mit Kerzen beleuchteten Rosen, die als Opfergaben gekauft werden können. Die Wärme der Atmosphäre ist zu spüren. Sie ist so wunderschön! Irgendwie ist dies wieder ein neues Indien, das sich uns zeigt und das gesamte Bild noch ein wenig verändert, vielleicht verfeinert. Danach kommen wir bei den Klängen und Erzählungen des Kiwali zur Ruhe. Musik ist in Indien schon manchmal etwas Anderes. Ich beginne sie mehr und mehr zu mögen.
Was auch schön ist, ist die Tatsache, dass die Inder auch gerne mal einfach so auf der Straße singen. Ganz laut und ohne die geringste Scham werden alte Lieder oder der neuste Hit performt. Ein wenig habe ich mir das auch angewöhnt und in den Bussen läuft ebenso oft Musik, zwar nicht immer mein Geschmack, aber irgendwie hat das was.
Unser erstes Reiseziel war Agra mit dem 1631 gebauten Taj Mahal. „Was für ein Anblick! Auch wenn es ausgelutscht klingt: Dieses Gebäude ist das Schönste, das ich bisher gesehen habe!“, schreibst du in unsrer Tagebuch und auch ich bin echt überrascht, dass es wirklich wunderschön ist. Es scheint ausgeglichen und bis zur Perfektion symmetrisch. Sogar die Moschee wird, da sie links des Taj liegt auf der rechten Seite wiederholt. Wir sind schon sehr früh aufgestanden, weil wir den Sonnenaufgang erleben wollen. Nebel umspielt das Gebäude und auch den Effekt des Größerwerdens, wenn man sich entfernt (da man das Gebäude, durch einen Torbogen sieht), erkennen wir. Außerdem ist die Vorstellung irgendwie schön, dass dieses Gebäude als Zeichen der Liebe für Mumtaz Mahal gebaut wurde.
Sevagram – im Ashram
Wir werden sehr nett begrüßt, an diesem Ort der Ruhe. Irgendwie ist er das wirklich. Die Mischung aus körperlicher und geistiger Arbeit, sowie Gebet und Meditation scheint die Frauen und die paar Männer, die hier leben ausgeglichen und friedlich zu stimmen. Alle strahlen eine unglaubliche, stille Zufriedenheit aus. Keiner lässt sich davon stören, dass schon wieder zwei Besucher gekommen sind, um für zwei Tage und eine Nacht ein wenig das Leben hier zu erfahren. Manchmal glaube ich, dass viele Menschen es in ihrem stressigen Alltag verlernt haben, zur Ruhe zu kommen und wirklich bewusst zu leben.
Was ich außerdem sehr interessant finde ist, dass der Ashram von einem Mann namens Vinoba gegründet würde. Er war Anhänger Gandhis und ist 13 Jahre durch Indien gelaufen um Land für die Armen ohne Besitz zu erfragen. Neben der Tatsache, dass er ziemlich erfolgreich war mit diesem Anliegen, finde ich schon die Tatsache, 13 Jahre zu Fuß unterwegs zu sein, echt beeindruckend.
Zugfahrten in Indien
Irgendwann (wir haben die Nacht auf dem Bahnhof geschlafen) fahren wir dann doch noch los. Statt wie geplant um 4:00 nachts wird es 6:00 Uhr. Aber wenigstens geht es los und wir finden ein kleines Plätzchen auf einem der Sideupper-Plätze, wo wir zunächst noch ein bisschen quatschen, dann aber ein wenig gequetscht schnell einschlafen. Wie ich es dann schaffe gute drei Stunden zu schlafen weiß ich auch nicht, vielleicht habe ich die lauten Gesänge unserer Zugbegleiter, die bald einsetzen, in meine Träume eingebaut. Später erzählst Du: „ Die haben schon viel zu laut gegrölt, aber als ich mal irgendwann meine Zustimmiung gegeben habe, sie die so richtig abgegangen!“ Schade, dass es sich nicht um einen Chor handelt, der da mit uns im Abteil sitzt…nein, wir werden von einer Gruppe bestehend aus 32 Männern, die stark nach Fußballfangesellschaft aussehen, aber zusammen Tempel besichtigen wollen, überredet frühzeitig den Tag zu begrüßen. „Mach dir keine Sorgen! Das sind alles meine Freunde.“, sagst Du lachend. Es geht hoch her. Es wird geredet, gesungen, Plätze gewechselt und nachdem eine Frau mit Erdnüssen den Zug durchquert hat, verwandelt sich dieser in ein einziges Schlachtfeld. Da haben die Inder echt ein Talent für, aber Gott sei Dank stört es niemanden. Nach ein paar Stunden wird es noch einmal voller und auch bunter. Wer hätte das gedacht?! Eine Gruppe Männer steigt zu. Sie haben unzählige Ketten und Blumenketten in gelb und orange um den Hals hängen, Ticker auf der freien Brust und Stirn und Tücher um die Bäuche gebunden. Zuerst einmal bauen die Männer ihren Altar auf dem Upperseat über uns. Dann wird sich ein frisches Hemd angezogen und Laddhus (indische Ballförmige Süßigkeiten) an alle verteilt. Witzig, auf einmal ist unsere Feierkompanie ganz ruhig. Wir erfahren, dass ein großes hinduistisches Fest ansteht, zu dem sie unterwegs sind. Neun Tage soll das dauern, Frauen dürfen nicht in den Tempel. Mit Hilfe eines Ayurweda Doktors, der beeindruckend viele Sprachen spricht, entwickelt sich ein Gespräch auch mit der süßen Familie neben uns. Ganz gemütlich wird gequatscht, Essen geteilt, einfach die Zugfahrt genossen. Witzig, wie aus reinem Zufall so nette Runden entstehen können, einfach durch die Offenheit und das Interesse der Inder. Ich liebe das!
Der Tag verfliegt und abends dürfen wir zusehen, wie in unserem Abteil gebetet wird. Natürlich haben sich alle vorher gründlich gewaschen und wieder mit Punkten verziert. Räucherstäbchen werden angezündet und weitergegeben. Der Gesang, obwohl durch ein Telefonat unterbrochen (Manchmal haben die Inder für mein Empfinden echt einen Knall.), fasziniert mich der Gesang. Danach gibt es geheiligte Apfelstücke für alle.
Ich bin wieder einmal erstaunt, wie offen die Inder mit ihrer eigenen Religion umgehen und wie sehr sie gleichzeitig auch die öffentliche Auslebung dieser von anderen akzeptieren!
Unser nächstes Ziel Kerala, ein Staat an der Süd-West-Küste Indiens, verzaubert mich mit wunderschöner Natur, bezaubernden Stränden und Nationalparks. Hier haben die Menschen im Vergleich einen hohen Lebensstandart und sind gut gebildet. Außerdem ist das Land entscheidend durch die Christen geprägt, die hier sehr früh landeten und die Regierung bezeichnet sich als kommunistisch, weshalb man immer wieder riesige Plakate Lenins und Stalins sieht. Ein bisschen komisch ist das schon, aber anscheinend funktioniert der leichte Anklang kommunistischer Werte hier gut.
Decken verteilen auf den Straßen Delhis
Wir treffen Christine (auch eine Freiwillige) und den Koordinator ihres Projekts an der Metrostation. Los geht es mit dem Auto in Richtung Shelter. Das sind Unterkünfte für Menschen von der Straße. Die meisten werden nur für die kalte Jahreszeit aufgebaut und es wird zwischen Kindern, Frauen, Männern, Drogenabhängigen und anderen Gruppen unterschieden.
Als wir ankommen sind wir zunächst überrascht. Decken müssen hier nicht verteilt werden, stattdessen unterhalten wir uns mit einigen Jungs und Frauen, die sehr interessiert sind. Zuerst wollen sie gar nicht glauben, dass wir ein bisschen Hindi verstehen, dann fragen sie die üblichen fragen, was wir machen, wo wir herkommen, ob wir Geschwister haben.
Uns fällt auf, dass viele nicht so ganz da zu sein scheinen. Ein Junge hat den Blick in weite Ferne gerichtet, während er mit uns spricht, ein anderer redet wirr und eine Frau hält sich ein Tuch vor Mund und Nase gepresst. Andere der Menschen erzählen, sie schnüffeln Kleber. Einer holt seine Tube heraus und zeigt sie uns. Schnüffeln, das ist es, wo sich die Menschen hier ihre Ablenkung, ihr Vergessen suchen. Das Kind der Frau weint herzzerreisend, während uns alle, die um uns herumstehen zeigen und erklären, dass sie vollkommen benebelt ist. Außerdem erzählen sie, dass die meisten hier vom Müllsammeln und –sortieren leben. Damit verdient man bestimmt nicht viel. Immer wieder fällt mir auch auf, dass viele hier nur Flip Flops an den Füßen tragen, während ich schon mit Skisocken, warmer Winterjacke und Schaal schrecklich friere. Können die Nerven, die das Temperaturempfinden übertragen, so weit abstumpfen, dass man nicht merkt, wie einem die Zehen abfrieren?
Dann wird Essen verteilt. Immer wieder kommen neue Jungen und Frauen und ich frage mich, was sie wohl denken über die gut genährten Weißen, die da neben ihnen stehen und beim Essen zusehen… oder vielleicht noch allgemeiner: Wie denken die Leute, wenn Ihnen jemand etwas gibt? Ist da Dankbarkeit, dass da jemand ist, der den Hunger stillt, oder Verzweiflung und Scham, sich nicht selbst versorgen zu können? Oder Ärger einfach weil alles ungerecht ist? Einige kommen, essen und gehen, quasi ohne ein Wort zu sagen. Irgendwie ist das alles sehr befremdlich und schockierend und vor allem die vollkommen vom Schnüffeln verwirrten Kinder, lassen erahnen, wie schlecht es den Menschen hier teilweise geht…
Wir fahren weiter, besuchen noch zwei weitere Shelter und machen uns nach einem typisch indischen Nachtmahl, auf die Suche nach Menschen, die auf der Straße ohne richtige Decke schlafen. Immer wieder sehen wir Menschen, die sich mit einem Sack oder anderen Plastik- oder Pappdingen versuchen warm zu halten versuchen. Dann halten wir und einer steigt aus, redet kurz, übergibt die Decke. Dann weiter. Es ist komisch, dieses Ausschau halten. Nicht immer ist es einfach im Dunkeln zu erkennen, welche der vielen Menschen, die hier am Straßenrand liegen, keine Decke haben. Um das zu sehen müssen wir genau hinschauen. Das verhindert verlässlich das Wegsehen, das man sonst immer wieder automatisch macht, wenn es zu viele werden, die da liegen – von den knapp 2 Millionen ohne Dach über dem Kopf. Einmal rennen bestimmt zehn wie von Furien gehetzt auf uns zu, als sie mitbekommen, dass es Decken gibt. „Nicht zu Händeln“. Wir fahren weiter.
Ja, ich glaube, das Deckenverteilen war für mich nochmal ein krasses Erlebnis. Ich möchte aber noch zu meinem Eintrag hinzufügen, dass wir auch ein paar positive Geschichten gehört haben. So haben nämlich einige der Jungs, die von Christines NGO von der Straße geholt wurden und in einem Center gelebt haben, als Freiwillige mitgeholfen und waren echt super normal, nett, glücklich und schienen Perspektiven zu haben.
Dies sind einige Clips aus den indischen Nachrichten über das Problem, der fehlenden Shelter und des Lebens der Menschen auf der Straße. Vor allem mit den ersten beiden kann man sich die Situation der Menschen auf der Straße vielleicht noch ein wenig besser vorstellen. Ich hatte immer wieder das Gefühl Dinge ein wenig wiederzuerkennen.
http://www.ndtv.com/video/player/news/left-out-in-the-cold-delhis-homeless-battle-harsh-winter/221290
http://www.ndtv.com/video/player/news/a-night-with-the-homeless/221197
http://www.ndtv.com/video/player/the-9-oclock-news/indias-cities-cold-to-homeless/220649
Das Zurückkommen aus dem Urlaub ins Projekt war übrigens etwas total Schönes für mich. Die Kinder waren echt sehr süß, wie sie sich gefreut haben. In den Pausen sind wir jetzt immer die Monster und dürfen uns die Kinder schnappen und auf das Sofa schleppen, das vor ein paar Wochen gespendet wurde. Ein sehr cooles Spiel! Außerdem habe ich in Zukunft vor, nochmal die Unterrichtsmaterialien zu überdenken, die wir so zur Verfügung haben. Im Moment besteht der meiste Unterricht, trotz meiner immer wieder mitgebrachten Arbeitsblätter nämlich daraus, dass etwas an die Tafel geschrieben wird, dass dann zunächst nachgesagt und dann abgeschrieben werden soll und aus kurzen Aufgaben, die wir den Kindern einzeln in ihre Hefte schreiben. Mal sehen, was sich da machen lässt.
So, jetzt muss dieses unhandliche Ding auch mal abgeschickt werden. Mal sehen, ob ich es dieses Mal hinbekomme ein paar Fotos zu verbreiten. Tut mir Leid, meine Computerkenntnisse sind noch ziemlich ausbaubar. ![]()
Ich wünsche euch noch ein wunderschönes, neues Jahr. Dieses Jahr wurde mir das auch schon vor 12:00 Uhr bestimmt 50 Mal gewünscht, weil die Inder das da nicht ganz so genau nehmen, also bin ich mit meinen Wünschen auch noch voll gut in der Zeit.
Ganz liebe Grüße, tata
Sarah
Dritte Rundmail November 2011
Hallo ihr Lieben,
Ich sitze neben meinen Zimmergenossen in unserem kleinen Wohnzimmer auf einer der schon ziemlich durchgelegenen Matten, die aber super Sitzmöglichkeiten abgeben und lasse den Tag Revue passieren. Es war echt der Hammer! Zuerst ging es ganz simple mit dem Wunsch los, einen Brief nach Deutschland zu schicken. Nachdem ich zunächst einmal ziemliche Schwierigkeiten hatte die Post zu finden und mir bestimmt fünf sehr nette Menschen Wege in verschiedene Richtungen beschrieben hatten, fand ich schließlich den Eingang. Der war witziger weise halb durch eine Kette mit Vorhängeschloss verschlossen, so dass man sich bücken musste um hinein zu kommen. Wer da wohl den Schlüssel verloren hat?
In der Post war ziemlich viel los. Das war glaube ich mein Glück, weil mir so ein sehr netter Mann dabei helfen konnte meinen Wunsch einen relativ großen Brief nach Deutschland zu schicken dem Beamten mitteilen konnte. Schade nur, dass es hier direkt keine großen Briefumschläge zu kaufen gab. Das hieß ich musste einen Laden finden, der so etwas verkauft, was gar nicht so einfach war und ich hatte schon beschlossen umzukehren und einfach ein paar Zettel des Briefes wegzulassen, als mir mein Übersetzer von zuvor auf einem Roller entgegenkam und mir anbot, mir bei dem Einkauf zu helfen. Er ließ es sich nicht mal nehmen mich danach wieder zurück zur Post zu fahren und dabei durfte ich mir noch seine halbe Lebensgeschichte anhören und wurde gründlich über Deutschland ausgequetscht.
Danach musste ich noch einige Einkäufe für den bevorstehenden Basteltag tätigen und bekam in einem Bastelshop erst einen Chai und dann noch einen Kaffee spendiert. Dazu muss man wissen, dass der Kaffee hier genau nach meinen Geschmack ist – mit ganz viel Milch und viel zu süß.
Das Spannendste ist aber erst heute Abend nach der Arbeit und einem netten Treffen mit ein paar anderen Freiwilligen passiert. Und zwar sind wir abends mit der Metro nach Hause gefahren und haben dann in einer Seitenstraße bunte Lichter und viele Menschen gesehen. Außerdem drang typisch indische Musik herüber, so dass Marlen und ich dachten, wir könnten einfach dezent im Hintergrund von außen ein bisschen zusehen, solange wir nicht das Gefühl haben, das Fest zu stören. Aber ganz im Gegenteil: nachdem wir vielleicht eine halbe Minute die farbenfrohe Dekoration und das bunte Treiben betrachtet hatten, wurden wir sehr freundlich eingeladen, doch die Schuhe auszuziehen und teilzunehmen. Sehr gerne natürlich! Es war echt super schön, das Gefühl zu haben, ein bisschen Teil des Ganzen zu sein und nicht mehr nur der Touri zu sein, von dem man Fotos und Autogramme möchte (kein Scherz, das ist mir unzählige Male passiert). Zunächst haben wir zugesehen, wie zwei Jungen ziemlich gut getanzt haben, dann wurde eine Statur unter lautem Gesang den Gang hoch und runter getragen, es wurde gebetet und schließlich noch traditionelles Essen an alle verteilt. Vor allem die sehr entspannte, lockere, fröhliche Stimmung war sehr schön!
Und danach wurden wir sogar noch von einer indischen Frau und ihrer Tochter zu sich nach Hause eingeladen um einen Chai zu trinken und sich super nett zu unterhalten. Der Mann war übrigens Maler und hatte sehr viele interessante Kunstwerke in der süßen kleinen Wohnung hängen.
Manchmal ist es echt schwierig für mich, mir von der großen Gastfreundschaft der Inder kein schlechtes Gewissen machen zu lassen. Das Gefühl, nicht wirklich etwas zurückgeben zu können, kommt da sehr schnell und gleichzeitig weiß man, dass man den Menschen auch irgendwie eine Freude macht und sie, wenn man strikt ablehnen würde, auf eine gewisse Art enttäuscht wären.
Am 2.10. war übrigens Gandhis Geburtstag, der hier Feiertag it. Zusammen mit der WG war ich auf einer Gedenkveranstaltung in der Gandhi Peace Fondation (Sakshi ähnliche Organisation). Dort hat ein älterer Mann, oder man konnte vielleicht schon Greis sagen, sehr bewegt einen ewig langen Vortrag über so ziemlich alles gehalten, was die Menschen bewegt. Leider war die ganze Veranstaltung auf Hindi, aber so wie die Inder so sind, wurde mir direkt von meinem Sitznachbarn angeboten mir das Wichtigste zu übersetzen. Diese Hilfsbereitschaft finde ich echt immer wieder sehr beeindruckend. Bislang hat fast jeder, den ich nach dem Weg gefragt hab, mit großer Mühe versucht, mir den Weg zu erklären. Teilweise haben Autofahrer (Aussprache hier „Oto“, motorbetriebene Rikshas) uns umsonst mitgenommen und einmal hat ein sehr freundlicher Mann Victoria und mich sogar den halben Nachmittag begleitet und mit uns ein Geschäft gesucht in dem es möglich sein sollte, Hosen zu kaufen, die lang genug für mich sind. Es war echt super cool, dass er da war, weil er so auch noch den Preis heruntergehandelt hat und den Leuten erklären konnte, dass die Hose verlängert werden soll.
Oh, und bevor ich es vergesse, wir haben ihn neulich zufälligerweise wieder getroffen, was an ein Wunder grenzt, wenn man bedenkt, dass Delhi ca. 13 Millionen Einwohner hat, und er hat uns zu der Hochzeit seines Bruders eingeladen! Das war echt eine ziemlich beeindruckende Veranstaltung. Ich glaube, ich habe noch nie so viel Glitzer, so viel Pink und so viel Essen auf einmal gesehen!
So, nun aber weiter zu den Feierlichkeiten. Die bestimmen nämlich im Moment das Leben hier, da echt viele aufeinander folgen. Nach der Veranstaltung zu Gandhis ehren hat uns Manoj, der Freund, der ab und zu mit uns kocht, uns zu sich nach Hause eingeladen. Ich bin echt immer wieder überrascht, wenn ich sehe, wie klein die indischen Wohnungen sind. So ist es bei ihm, obwohl er glaube ich nicht ganz wenig Geld hat so, dass die Betten in denen er mit Frau, Tochter und bis vor kurzem auch noch Sohn geschlafen haben, fast komplett das Wohn- und Esszimmer und den Flur ausfüllen, so das es zum Beispiel keinen richtigen Esstisch mit Stühlen gibt, sondern die Familie einfach auf den Betten sitzend isst. Die Hauser werden mir zurück in Deutschland wahrscheinlich wie riesige Paläste vorkommen, in denen man schon fast aufpassen muss, sich nicht zu verlaufen.
Nach kurzer Zeit sind wir dann zu einer Art Kirmis zu Dussehra gelaufen. (Ich glaub, die habe ich in meinem letzten Eintrag schon kurz angesprochen.) Aber was für eine! Zunächst einmal war es krass überfüllt und mit meiner Größe und den blonden Haaren habe ich mal wieder viel zu viel Aufmerksamkeit auf mich gezogen. Bestimmt zwanzig Inder haben nach Fotos gefragt oder wollten Autogramme. So wirklich nachvollziehen kann ich das nicht und nach kurzer Zeit habe ich mich echt total bedrängt gefüllt. Vor allem als meine Flatmates dann noch ein ziemlich altertümliches Riesenrad ausprobiert haben, worauf ich wegen eines Grummelmagens verzichtet habe, hatte ich das Gefühl, dass alle einfach immer näher gerückt sind, so dass ich irgendwann geflohen bin und mir die verschiedenen Geschäfte weiter angesehen habe. Dazu kann ich sagen, dass ich mir sicher bin, dass keines der Fahrgeräte in Deutschland auch nur durch die ersten fünf Minuten einer TÜV Prüfung überstanden hätte. Manche hatte ich sogar vielleicht als riesige Hamsterräder beschrieben und die großen Riesenräder wurden von einem Mann an einem langen Stock bedient. Ach, und – wo man doch manchmal hört, dass Dinge zwischen Mann und Frau in Indien so ein Tabuthema sind – es gab eine Art Zelt in dem Frauen für indische Verhältnisse leicht bekleidet für die Männer getanzt haben. Wir sind halt doch alle nur Menschen! Was auch sehr witzig war, war eine Zaubershow, bei der alle super kindlich schön mitgefiebert haben.
Diwalifeierlichkeiten – die Inder drehen durch
Böller, die in Deutschland längst und mit einem genervten Kopfschütteln verboten worden wären!
Gestern haben wir Diwali gefeiert. Ich war zusammen mit der WG bei Manoj eingeladen. Schon der Weg zu seiner Wohnung war eine kleine Herausforderung. Victoria und ich hatten uns für den Anlass nämlich in Schale geworfen und unsre gerade erstandenen Sarees angezogen. Es ist gar nicht so einfach die Dinger zu wickeln und damit dann auch noch in einem viel zu überfüllten Bus zu fahren – hier stimmt das „man braucht sich gar nicht festhalten, Umfallen ausgeschlossen“ echt ab und zu – erforderte größte Konzentration, sich nicht ausversehen halb ausziehen zu lassen.
Angekommen bei Manoj gab es dann auch ziemlich direkt ein echt super leckeres Essen. Allerdings ist es hier so, dass immer ein kleines Mädchen, das aufgrund seines jungen Alters als unschuldig gilt, an Diwali zuerst essen darf. Es wurde uns als Verkörperung eines Gottes erläutert und gesagt, dass diesem so Ehre erwiesen wird. Ein bisschen komisch war es für mich schon, jemandem beim Essen zuzusehen und mir vorzustellen, dass ich mir das Mädchen jetzt als Gott vorstellen soll. Dann haben wir zu Essen bekommen. Es gab Puri (frittierte Brotfladen), Blrie (kugelförmige Dinger, ich muss nochmal nachfragen wie man die macht), und ganz viele indische Süßigkeiten zum Nachtisch. Aprospos Süßigkeiten – es ist hier Tradition, dass man an Diwali allen Freunden Süßes vorbeibringt und sich gegenseitig besucht. Uns wurde erzählt, dass in traditionellen Dörfern immer das älteste Familienmitglied zuhause bleibt und die Nachbarn empfängt, während alle anderen von Haus zu Haus wandern und sich durchfuttern. Ich finde, eine sehr schöne Tradition, obwohl die Süßigkeiten hier so krass süß sind, dass man echt nicht viele von ihnen verspeisen kann. ![]()
Oh, fast hätte ich vergessen zu schreiben, dass mir die Menschen am Tag nach Diwali alle sehr zufrieden und glücklich vorkamen. Nur nette Gespräche, sehr wenig anstrengendes Handeln (das mir allerdings immer mehr Spaß macht
) und ganz viele Lächeln – ich glaube, die Inder haben ihr fest wirklich genossen!
Im Projekt
Am Anfang der Rundmail habe ich ja schon kurz den Basteltag angesprochen. Wir haben mit unserem Chef Mr. Khan abgesprochen, dass wir nun jeden Monat einen Projekttag mit dem ganzen Projekt planen und umsetzen dürfen. Ich glaube, dass das echt nochmal eine wunderschöne Möglichkeit ist, sich einzusetzen und den Kinder neue Dinge zu vermitteln und bin gespannt wie noch folgende Tage laufen werden! Bislang habe ich mit meinen Projektpartnerinnen schon zwei Tage organisiert. Der erste, der Basteltag, sollte den Kindern einfach ganz viel Freude bereiten, ihnen aber auch zeigen, was man aus Verpackungen machen kann, die man sonst einfach auf den Müll werfen würde.
Dazu sollt man wissen, dass Indien und große Städte wie Delhi ein ziemliches Müllproblem haben. Die Menschen sind es gewöhnt, die vielen Tüten und Hüllen, einfach auf die Straße zu werfen. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass es in Delhi insgesamt vielleicht 30 öffentliche Mülleimer gibt.
Das Hauptproblem besteht allerdings vor allem darin, dass der fleißig zusammengefegte Müll, an vielen Stellen nicht abgeholt wird und die Menschen ihn einfach am Straßenrand verbrennen. Falls ihr den Geruch von verbranntem Plastik kennt, wisst ihr was ich meine, wenn ich von echt ekelhaft rede. Der Müll, der von der Müllabfuhr abgeholt wird, die übrigens für unsre WG umgerechnet pro Monat nicht mal einen Euro kostet, obwohl wir im zweien Stock wohnen und der Müll direkt von der Haustür eingesammelt wird, wird auf einem riesigen Platz gesammelt. Vor einiger Zeit sind wir dort zufälligerweise vorbei gefahren. Sooo viel Müll! Und leider haben wir darauf echt einige Menschen gesehen.
Mit der Jungsklasse haben wir an unserm Basteltag Musikinstrument gebastelt. Es gab Rasseln aus beklebten und bemalten Klopapierrollen, Joghurtbecher wurden zu einer Mischung aus Miniharfe und Rhythmusinstrument umfunktioniert und aus Strohalmen und Papier haben wir süße, kleine Tröten hergestellt. Es war echt cool, wie viel Spaß die Jungs dabei hatten und wie ausdauernd und kreativ viele waren. Ein Junge hat zum Beispiel seine Rassel einfach mal spontan mit einem Strohhalm versehen und daraus das perfekte Symbol einer Dose mit Erfrischungsgetränk drin erstellt.
Mit den Kleinen haben wir Fingerprint und Pustebilder gemacht und die Mädels am Nachmittag durften kleine Schmuckschränkchen aus Streichholzschachtel und kleine Kästchen basteln.
Zusätzlich hat einer der Sozialwork-Studenten, die meistens Donnerstags und Freitags für ein paar Stunden im Projekt sind, Origamie gezeigt.
Insgesamt ist mir von diesem Tag vor allem die Begeisterung aller im Gedächtnis geblieben!
Vor zwei Tagen haben wir einen weiteren Projekttag zum Thema Zahnhygiene veranstaltet. Uns sind bei einigen Kindern nämlich extrem schlechte Zähne aufgefallen. Teilweise sind komplette Zähne schwarz und manche Kinder haben sogar schon verfärbte Schneidezähne. Um allen die Wichtigkeit des Themas näher zu bringen und einzuführen haben wir zunächst ein kleines Theaterstück aufgeführt, dass einige Ähnlichkeit mit Karius und Baktus hatte. Danach haben wir noch Bilder von richtig schlechten Zähnen gezeigt (Beim Ausdrucken im Fotoladen wurden wir schon ziemlich schräg gemustert und unsere Zähne wurden einer genauen Beobachtung unterzogen…:D.), Zahnbürsten verteilt und mit den Kinder gründliches und sorgfältiges Zähne putzen geübt, ein Lied zum Thema gesungen und erarbeitet, was gut und was schlecht für die Zähne ist.
Bei einigen der Kindern hatte ich echt das Gefühl, dass sie noch nie eine Zahnbürste in der Hand gehalten haben, so ungeschickt haben sie sich die in den Mund gesteckt und versucht die Zähne zu säubern. Ich hoffe echt, dass sich vor allem die Kinder, die jetzt gerade noch so ihre Milchzähne haben, bei den bleibenden Zähnen gut aufpassen, dass sich keine Löcher bilden. Im Gesundheitsprojekt fällt mir nach diesem Tag jetzt auch immer mehr auf, wie schlecht die Zähne der alten Menschen sind, wenn sie überhaupt noch existieren und schon ein Blick auf die Zahnpaste zeigt ein fehlendes Wissen. Auf der steht nämlich dick und fett „ohne Zucker“ und noch viel eindeutiger auf der Rückseite ein Hinweis, dass sie schmerzlindernd wirkt. Schön und gut, allerdings nur schade, dass in einigen nicht dafür kein Fluorid drin ist.
Im Moment sind wir gerade dabei einen Arzt zu suchen, der die Kinder für uns behandeln würde, ohne viel Geld dafür zu nehmen. Ich werde berichten, wenn wir einen Netten gefunden haben.
Diesen Monat gab es im Projekt noch zusätzlich ein Infotag für die Frauen des Viertels – ein „Legal and Welfare Awereness Programm“. Diesmal war es gar nicht so schlimm, dass vergessen wurde uns Freiwilligen von der Veranstaltung zu erzählen. Wir waren zwar etwas verwirrt, wurden aber morgens direkt aufgeklärt und durften uns, nach noch ein bisschen Aufbauhilfe, gemütlich zwischen bestimmt fünfzig Frauen setzen und zusehen. Zunächst wurden die Inhaltstoffe verschiedener Lebensmittel erläutert und demonstriert, wie ein gesundes Essen zubereitet wird. In der Pause wurde es dann an alle verteilt – super lecker kann ich euch sagen! Außerdem war es wieder sehr schön mit allen zusammen zu Essen. Ich habe das Gefühl, dass das auf jeden Fall etwas ist, was Menschen verbindet und was ein großes Gemeinschaftsgefühl vermitteln kann.
Im zweiten Teil ging es um Rechte von Frauen. Echt schade, dass ich wegen der noch relativ kargen Hindikenntnisse nicht sehr viel verstanden habe. Ach, was noch ganz witzig war: Irgendwann haben eine ganze Reihe Frauen sehr neugierig angefangen uns auszufragen. Zwar gar nicht so einfach ohne wirkliche gemeinsame Sprache, aber meistens geht das ja trotzdem für eine kurze Zeit. Die Fragen, die einem dann so gestellt werden, drehen sich übrigens neben „Magst du Indien?“ meist um die Familie. Verheiratet? Kinder? Geschwister? Alter? Usw. Ich denke, dass sich hier ein weiteres Mal die Wichtigkeit der Familienbunde in den Vordergrund schaukelt. Es geht aber halt auch nicht ohne! Wer soll schon für einen Sorgen, wenn man alt oder krank ist, wenn staatlichen Einrichtungen nicht existieren und man ohnehin kein Geld hätte in eine Krankenversicherung einzuzahlen? Oder auch das Geldverdienen – quasi jeder der unzähligen kleinen Shops scheint ein Familienunternehmen zu sein, dass natürlich auch vor allem funktioniert, weil Beziehungen eine ganze Menge erleichtern.
Zu dem Thema hab ich mich vor kurzen ein wenig mit einem super netten Inder unterhalten, den wir bei einem Wochenendtrip nach Rishikesh kennen gelernt haben. Er hat erzählt, dass er jetzt bald sehr wahrscheinlich als heiraten muss. Genau wie sein Bruder – der hatte zwar eine Freundin, aber trotzdem die Wahl seiner Eltern geheiratet hat. Der Inder meinte, entweder man tut, was einem die Eltern sagen oder man geht ins Ausland und fängt noch mal ganz von vorne an…
So, das war es für dieses Mal! Ich bin ja auch schon etwas spät dran – ganz typisch indisch halt!
Tata, eure Sarah
Ich hab grad mal gedacht, dass ich euch mal die Blogadressen meiner Flatmitbewohner schicken könnte. Wenn ihr Lust habt gibt’s da noch ganz, ganz viel zu lesen
Meine Projektpartnerinnen:
Victorias Blog:
www.vicky-goes-to-india.cms4people.de
Annas Blog:
http://anna-mag-elefanten.jimdo.com/
Marlen und Henning sind im Hope – Project, das ganz hier in der Nähe in einem Muslimischen Viertel liegt. Wir sind neulich mit ihnen ein bisschen durchgelaufen, was echt noch mal eine neue Erfahrung war! Ich glaube, der offensichtlich größte Unterschied besteht darin, dass die Menschen hier wesentlich mehr Fleisch essen und man den Metzgern
Auf der Straße beim Schlachten ihrer Hühner zusehen kann… für mich war das echt eine ein bisschen verstörende Erfahrung, weil das Schlachten eine Brutalität ausstrahlt, die ich mir nicht lange ansehen konnte. Natürlich, wenn man darüber nachdenkt, ist das Vorgehen uralt und vor allem im Vergleich zu der Massenproduktion Deutschlands denke ich, dass es echt etwas hat, dass die Menschen auch mal sehen, was sie essen. Aber trotzdem finde ich es nett, dass das in dem Viertel in dem ich wohne nicht so offensichtlich ist.
Hier ihre Adressen:
Hennings Blog:
http://henningspreckelmeyer.blogspot.com/
Marlens Blog:
http://marlenimlanddergegensaetze.blogspot.com/
2 Rundmail Anfang Oktober 2011
Hallo
Hier meine zweite Rundmail! Ich habe sie auch nochmal angehängt und werde gleich mal verrsuchen ein paar Bilder auf meinen Blog zu stellen. Mal sehen, ob das klappt
ANKOMMEN IN INDIEN
Es ist voll, es ist laut, die Autos hupen unaufhörlich – denn wer nicht hupt wird übersehen – es ist schwül-heiß, Farben und Menschen überall.
Die gespannte Aufregung lässt mich die rasant schnelle und vielleicht unvorsichtige Fahrt vom Flughafen Richtung Central Delhi wie im Traum erleben. Ich komme mir vor, wie in einem Autorennen. Mitten hinein in eine neue Welt, in der ich von jetzt an ein Jahr verbringen werde. Eine Welt, von der ich hoffe, dass sie mir viele neue Dinge über das Leben, die Menschen, im Moment noch fremde Kulturen, Denkweisen und bestimmt auch über mich selbst zeigen wird.
DIE ERSTEN ZWEI WOCHEN
Ich glaube, soviel Neues, wie in der letzten Wochen habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt und werde ich auch nie wieder innerhalb zwei Woche erfahren.
Ich wohne hier in Jangpura, einem kleinen, relativ zentral liegenden Stadtteil etwas südlich des Stadtzentrums mit noch fünf weiteren Freiwilligen in einer WG. Wir schlafen jeweils zu dritt in kleinen Zimmerchen. Sonst gibt es noch ein Bad (das meistens funktioniert und ein zweites ohne Wasser), eine kleine Küche, einen süßen Balkon auf dem vier Stühle geradeso Platz haben und ein Wohn-/Esszimmer. Das Viertel in dem wir wohnen heißt Jang Pura und ich würde es bezogen auf indische Verhältnisse ca. als untere Mittelklasse bezeichnen. Das heißt, dass es relativ sauber ist (die Leute schmeißen zwar alles auf die Straßen, aber es gibt eine ganze Menge Straßenkehrer) und nur sehr selten mal Menschen betteln. Wirklich im Viertel habe ich das noch gar nicht erlebt. Allerdings habe ich schon häufiger das Gefühl ein wenig mehr bezahlen zu dürfen, als die wirklich Einheimischen. Ich denke aber, dass man das, obwohl ich so langsam sogar ein bisschen Spaß am Handel entwickle, teilweise akzeptieren muss. Vor allem bei Riksha- und Otofahrern darf man fast nie den zuerst genannten Preis bezahlen. Gestern Abend verlangte ein Otofahrer zum Beispiel 100 Rs. Für eine Strecke, die am Ende 27 Rs. Kostete. Es gibt nämlich auch die Möglichkeit mit Zähler (hier „Metasé“ zu fahren. Man sollte nur den ungefähren Weg kennen
). Allerdings kann ich auch von einem super netten Erlebnis berichten. Heute wollten Vicky, eine WG Mitbewohnerin, und ich zum India Gate (Denkmal/riesiger Torbogen für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten) laufen. Unserem Bewegungsdrang folgend, ignorierten wir zunächst die vielen Otos und beschlossen auch nicht mit dem Bus zu fahren. Irgendwann versuchte uns aber ein relativ hartnäckiger Fahrer zu überzeugen mit ihm zu fahren und nahm uns, nachdem wir ihm erklärt hatten, dass wir gerne gehen, umsonst mit. Ich glaube, wenn die Fahrt noch ein wenig länger gewesen wäre, hätten wir auch noch eine gratis Hindi-Stunde dazu bekommen und natürlich dürfen wir ihn jederzeit anrufen, wenn wir Probleme haben. Das ist schon die dritte Handnummer die mir von Menschen einfach so gegeben wurde – für Notfälle halt
.
Haustiere haben wir hier in der WG auch schon einige. Zum einen ist da unsre Ratte Rudi, die ich zum ersten Mal gesehen habe, als sie mir aus einem Schrank etwas über Kopfhöhe entgegen sprang. Im Moment haben wir aber die Hoffnung, dass er sich ein neues Zuhause gesucht hat. Außerdem hat sich leider eine Taubenfamilie etwas oberhalb unseres Balkons eingenistet, weshalb wir quasi jeden Tag den Balkon fegen müssen. Neben Ameisen und einer Kakerlake, gibt es noch das Geckopäärchen Paulchen und Pauline. Die sind absolut super, weil sie uns die Moskitos etwas vom Leib halten. Echt super, es gibt nämlich eine ganze Menge. Allerdings muss man es hier nur schaffen, eine kurze Juckzeit zu überstehen, dann verschwinden sie sehr schnell wieder. Der Anblick von Tieren, die neben ihren Besitzer auf der Straße leben ist in Delhi auch sehr normal. Es gibt Ziegen, Hühner, Pferde, Esel und natürlich auch Kühe. Obwohl hier gerade die Frage aufkommt, ob die überhaupt jemandem gehören. Immerhin ist das Fleisch für einen Großteil der Bevölkerung ein tabu. Ehrlich gesagt würde ich Tierschützern übrigens dringend abraten, sich nach Delhi zu begeben. Falls es auch nur Ansätze von Schutzgesetzen gibt, werden sie nämlich nicht eingehalten. Ich habe schon bestimmt 10-15 Hühner in ca. 1m2 großen Käfigen gesehen und leider müssen hier Pferde auch nachts nicht von ihren Karren abgespannt werden.
Naja, aber wenn man sich ansieht, wie die Menschen hier teilweise leben, tritt der Wunsch etwas für die Tiere zu tun schnell in den Hintergrund… gestern Abend sind wir nach einem Besuch auf einer Art Kirmes, die wegen des Fests Dussehra stattfand (in kurz: Gut vertreibt böse, vielleicht kennt jemand Bilder, wie riesige Puppen verbrannt werden – das ist der Höhepunkt des Fests). Als wir danach nach Hause gelaufen sind, haben wir sehr viele Menschen auf der Straße schlafen sehen. Viele lagen auf den Karren, auf denen sie tagsüber Obst und Gemüse verkaufen oder hatten es sich auf den Rikshas bequem gemacht. Immer wieder sieht man auch kleine Familien mit vielen kleinen Kindern, die sich manchmal kleine Zeltchen gebaut haben oder auch provisorisch Stoff als Matte gespannt haben. Ich denke, dass das Leben auf der Straße im Moment sogar noch einigermaßen geht, da super angenehme Temperaturen herrschen und es quasi nicht regnet (vielleicht wenn man sich fehlendende Sanitäre Anlagen, Lärm, verschmutzte Luft usw. wegdenkt…). Aber im Winter (im Delhi Winter sind Temperaturen um 0-5 Grad keine Seltenheit) oder auch zur Monsunzeit frage ich mich, wie das auszuhalten ist. Außerdem darf man vielleicht auch nicht die Tatsache außer Acht lassen, wie ist kein Zuhause zu haben. So richtig nachvollziehen, wie es den Menschen hier geht und wie sie sich fühlen, wird man denke ich nie verstehen können, wenn man behütet und beschützt in einem kleinen, friedlichen Dörfchen in Deutschland aufgewachsen ist.
Meine Arbeit im Projekt Jasola sieht im Moment so aus, dass ich mich morgens erst einmal mit den Vorschulkindern beschäftige, sie begrüße, ein bisschen mit ihnen tobe und die wenigen Eltern, die ihre Kinder persönlich bringen möglichst nett anlächle und hoffe, dass sie nicht allzu sehr versuchen sich auf Hindi mit mir zu unterhalten – das ist nämlich noch ziemlich schwierig für mich. Obwohl unser Nachbar uns fast jeden Abend unterrichtet und ich fleißig lerne wird es wohl noch ein Weilchen dauern, bis ich mich einigermaßen verständigen kann. Bei der Verständigung liegen leider auch sonst die Schwierigkeiten, was meine Einsatzmöglichkeiten im Projekt angeht. Da die Englischkenntnisse der meisten Kinder und auch vieler Lehrer sehr beschränkt sind, helfe ich im Moment meistens in einer Klasse mit, in dem ich Aufgaben korrigiere, neue aufschreibe oder noch einmal zeige, wie verschiedene Buchstaben aussehen sollen. Am Samstag habe ich mit Vicky eine Klasse zu zweit unterrichtet, weil die Lehrerin nicht gekommen ist. Da die Kinder in dieser Klasse sehr nett und relativ wenig aufgedreht sind und auch teilweise schon etwas Englisch verstehen, hat das einigermaßen funktioniert. Wir haben den Kindern zunächst „If you’re happy…“ beigebracht und dann angefangen zu zeigen, wie man den englischen Plural bildet. Allerdings muss man sich den Unterricht hier etwas anders vorstellen als in Deutschland. Wie private Schulen Inhalte vermitteln kann ich natürlich nicht sagen, aber im Projekt lernen die Kinder indem der Lehrer kleine Aufgaben gibt oder über das Nachsagen von z.B. Buchstaben, Zahlen oder kleinen Reimen. Je älter die Kinder werden, desto weniger wird diese Lehrmethode aber glaube ich verwendet. Ein großer Unterschied liegt, denke ich, außerdem in der Strukturierung des Stoffes. Es ist gut möglich, dass ich das, wenn ich länger im Projekt bin, vielleicht noch besser beurteilen kann, aber im Moment habe ich das Gefühl, dass es keinen wirklichen Plan gibt, was wann und wie genau beigebracht werden soll. Der Unterricht variiert aber auch sehr stark von Lehrer zu Lehrer. So war ich echt beeindruckt, wie der 18 jährige Shashi seine Klasse trotz sehr viel kürzerer Ausbildung, als sie in Deutschland Voraussetzung ist, mit großer Sicherheit und Voraussicht in Mathematik unterrichtet und dabei noch super sympathisch und locker bleibt. Hingegen ist es für mich echt schwierig mit einer der Englischlehrerinnen zu kommunizieren, da sie selbst nicht sehr viel versteht.
Sehr interessant und sinnvoll finde ich auch den Computerkurs, der von Ekna, der Tochter der Leiterin des Centers, geleitet wird. Da sie sehr gut Englisch spricht, fragen wir meistens sie, wenn wir Fragen bezüglich Dinge haben, die man mit den Kindern machen könnte. In dem Kurs lernen die schon etwas älteren Kinder den Umgang mit Word, Powerpoint, einem Filmschneideprogramm und weitere ähnliche Anwendungsmöglichkeiten.
Für Frauen gibt es die Möglichkeit die Grundzüge des Schneiderns zu lernen. Das ist eine super nette Runde, die auf mich echt immer wieder ganz unterschiedliche Eindrücke machen. Mal wirken sie wie eine nette Kaffeerunde, dann wieder wie ein Haufen verspielter Mädchen und immer wieder auch wie stolze, erfahrene Frauen mit viel Lebenserfahrung. Ich bin mir sicher, dass die Frauen aber auch kommen, um die Gemeinschaft zu genießen.
Da Sakshi ein wenig mit den Universitäten Delhis zusammenarbeitet, kommen immer Sozial-Work-Studenten in das Projekt um verschiedene Selbstbewusstseinsübungen mit Frauen und Kindern zu machen oder sich auch einfach nur mal nett mit ihnen zu unterhalten. So werden zum Beispiel schwierige Situationen theoretisch durchgespielt und besprochen, um den Frauen Sicherheit zu geben (z.B. „Was mache ich, wenn ich sehe, wie ein Mann seine Frau schlägt?“). Super spannend finde ich das Theaterprojekt, das von einer Studentin gestartet wurde, nachdem am letzten Samstag eine Gruppe auf der Straße für alle gespielt. Es soll das Thema Frauenbildung behandeln. Echt schade, dass ich ohne Hindi noch nicht selbst etwas Ähnliches versuchen kann. Aber ich habe mich ein bisschen mit der Studentin unterhalten und vielleicht wird das Theaterstück mit einem Lied, das ich mit Gitarre begleite, eingeleitet. Ich bin echt gespannt, wie das wird!
So, ich glaube, ich habe jetzt eine viel zu lange, wahrscheinlich sehr unstrukturierte Mail an euch alle geschrieben. Leider hab ich ganz viele Dinge hier noch nicht beschrieben, aber das kommt noch! Ich hoffe, ihr habt sie trotzdem gerne gelesen! ![]()
Ich freue mich sehr über Fragen aller Art! Wenn es Dinge sind, die alle interessieren, schreibt am besten auf meinen Blog!
Ganz, ganz liebe Grüße! Namaste ![]()
Eure Sarah
Erste Rundmail 11.9.2011
Hallo ![]()
Wie ihr ja alle wisst, werde ich das nächste Jahr als freiwilligen, sozialen Jahres in New Delhi in Indien verbringen.
Das Projekt, das ich zu unterstützen versuchen werde heißt „SAKSHI – Centre for Information, Education and Communication“, was übersetzt etwa „Zeuge – Zentrum für Information, Bildung und Kommunikation“ bedeutet.
Sakshi arbeitet mit den unterprivilegierten Kindern und Jugendlichen der Slums der Viertel Okhla und Jasol von Dehli zusammen, die oft unter menschenunwürdigen Bedingungen und ohne zu Gang zu lebensnotwenigen Bedingungen wie sauberem Wasser, medizinischer Versorgung und Bildung leben.
Im Jahr 1990 gründete Late Dr. D. Anand die Organisation Sakshi, die seit dem mit zahlreichen Bildungs- und Hilfsprojekten versucht, den Kindern der marginalisierten Bevölkerung Delhis eine Zukunft jenseits der Slums zu bieten.
Sakshi vertritt die Ansicht, dass die Grundbedürfnisse und Rechte von Kinder jeden Alters und jeder Herkunft gleich sind. Jedes Kind braucht und hat das Recht auf ausreichende Nahrung, Kleidung, Schutz, Bildung, medizinische Versorgung, Liebe und Aufmerksamkeit. Sakshi versucht diese Rechte zu beschützen und zu garantieren. Mit zahlreichenden Projekten sollen die Möglichkeiten der Kinder der marginalisierten Bevölkerung erweitern werden.
Ziele der Organisation:
- Den Kindern ohne Zugang zur Schulbildung den Zugang zur Bildung zu ermöglichen.
- Das Integrieren von Kindern der marginalisierten Bevölkerung in die Gesellschaft.
- Die Gemeinschaft dazu zu bewegen Verantwortung zu übernehmen und Hilfe zu leisten wo diese auch immer möglich ist.
” We consider that underprivileged population cannot free from the vicious circle of poverty an benefit from sustainable development without education. Education reinforces a child’s ability to choose his/her future enlarging there visions about themselves and the world” - Quelle: www.shakshingo.com/about.php
Ich selbst hoffe, neben dem Wunsch zu helfen, in Indien viele neue Erfahrungen zu sammeln, interessante Menschen zu treffen und die Welt von unterschiedlichen Sichtweisen aus kennen zu lernen.
Wenn ihr Interesse habt, möchte ich euch gerne von Erlebnissen berichten, so dass ihr euch selbst ein Bild von Indien machen könnt!
Geplant ist, dass ich ungefähr einmal im Monat eine Rundmail an euch schreibe. Da ich aber selbst dir Erfahrung gemacht habe, dass man, wenn man nur schnell mal die Mails checken möchte, nicht unbedingt Zeit hat, sich meterlange Erfahrungsberichte durchzulesen, habe ich zusätzlich noch einen Blog erstellt. (Verzeiht mir das noch nicht ganz fertige Design, ich muss mich noch ein wenig einarbeiten
). Ihr könnt meine Mails also getrost erst einmal liegen lassen und wenn ihr Lust und ganz viel Zeit habt meine Seite besuchen. Natürlich werden hier auch Fotos hochgeladen.
Meine Blogadresse ist:
http://sarahgoesindia.via-weltwaerts.de/
Weitere Informationen über meine Aufnahmeorganisation sind angefügt, damit ihr euch noch ein bisschen besser vorstellen könnt, in welchen Bereichen meine Aufgaben liegen können. Dies sind die Informationen, die ich nach meiner Bewerbung bei der deutschen Entsendeorganisation VIA e.V., dem Verein für interkulturellen und internationalen Austausch, bekam. Ich war von der Vielfalt an Bereichen überrascht, in denen sich SAKSHI engagiert und bin gespannt, wie viel ich davon im nächsten Jahr kennen lerne.
Aufnahmeorganisation:
Sakshi Centre for Information, Education & Communication
D-332, Defence Colony
New Delhi 110 024 New Delhi
Indien
Tel. 0091-11- 24621743
e-mail: sakshi.cec@gmail.com
Verantwortlicher Betreuer bei der Aufnahmeorganisation:
Zuber Khan, Project Director
Die Aufnahmeorganisation:
Die Aufnahmeorganisation „SAKSHI – Centre for Information, Education and Communication“ wurde 1993 gegründet und arbeitet primär in den Bereichen Gesundheit und Erziehung. Ihre Zielgruppe sind Kinder aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen, wie etwa den BewohnerInnen von Slums und den Beschäftigten im informellen Sektor. SAKSHI betreiben in Delhi mehrere „Non Formal Education Centres“. In diesen Zentren werden Kinder ohne Zugang zum staatlichen Bildungssystem unterrichtet. Ziel des Unterrichts ist es, sie auf staatliche Schulen vorzubereiten und ihnen so den Zugang zu diesen zu ermöglichen. Somit unterstützt die Organisation Kinder bei ihrer Eingliederung in das formale Erziehungssystem und hilft ihnen, staatlich anerkannte Schulabschlüsse zu erlangen. Ebenfalls gibt es Nachhilfezentren, Bibliotheken, sowie Zentren für Kinder im Vorschulalter. Letztere ermöglichen es einerseits den Kindern zwischen 4 und 6 Jahren an ihren Angeboten teilzunehmen. Zugleich bietet dies häufig älteren Geschwistern die Chance die somit gewonnene freie Zeit selber für den Besuch eines Zentrums von SAKSHI zu nutzen.
Außerdem unterhält die Organisation Computerräume für die berufliche Qualifizierung Jugendlicher. Berufliche Qualifikationskurse werden auch in andere Bereichen gegeben: Schneidern, Sticken, Herstellung von Puppen, Handel, etc.
Nicht zuletzt setzt SAKSHI sich für eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Belange von Kindern aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen ein.
Tätigkeitsbereiche
Die/der Freiwillige
- assistiert in der Organisation der „Non Formal Education Centres“
- gestaltet die Aktivitäten in den verschiedenen Bildungsmaßnahmen mit (Raum herrichten, Material vorbereiten, Lernplan aufstellen und befolgen, Aufsicht führen).
- kann bei Vorbereitungsmaßnahen für den Schuleintritt von neu aufgenommenen Kindern mitwirken: Alphabetisierung, Grundvokabular Englisch und einfache Alltagswendungen vermitteln, Feststellen des Wissensstandes, ggf. Nachvollziehen der Schulbiografie, Einführung in den Gebrauch von Schulbüchern und Lernhilfen.
- kann bei der Hausaufgabenhilfe und beim Förderunterricht assistieren, insbesondere bei der Vermittlung von Englischkenntnissen, bei Mathematik und sofern die Kommunikationsfähigkeit der Kinder bzw. Jugendlichen im Englischen ausreichend sind auch bei anderen Fächern abhängig von eigenen Vorkenntnissen.
- gestaltet das Freizeitprogramm der Einrichtung mit: Sport, insbesondere Gruppenspiele, Anleitung zu respektive Initiierung von Gesellschaftsspielen, Organisation und Begleitung von Ausflügen, Präsenz bei Filmvorführungen.
- hilft bei der Vorbereitung und Durchführung von kleinen Festen und Feiern.
- unterstützt die Fachkräfte in der Bibliothek bei Aktivitäten wie Geschichtenerzählen, der Durchführung von Rollenspielen, bei Kunst- und Handwerkskursen.
- assistiert in der Öffentlichkeitsarbeit der Einrichtung.
Durch ihre/seine Teilnahme am täglichen Leben der Jugendlichen und Kinder fördert die/der Freiwillige deren Integrationsfähigkeit. Sie/er gibt ihnen Selbstvertrauen und wirkt Ausgrenzung entgegen. Wichtige Aspekte im kommunikativen Bereich sind:
- Dass die/der Freiwillige die Kommunikationsfähigkeit in Englisch fördert, da sie/er sich nur eingeschränkt auf Hindi verständigen kann.
- Indem sie/er sich in alltäglichen Situationen unterhalten kann und den Kindern und Jugendlichen durch die zusätzliche Kommunikation Sozialkontakte schafft und emotionale Zuwendung gibt, die sich nicht ausschließlich aus der Betreuungsaufgabe herleitet.
- Durch die Präsenz der/des Freiwilligen kann Hilfestellung situationsbezogen variiert werden, d. h. die Kinder und Jugendlichen je nach Fähigkeiten mit einem entsprechenden Maß an selbstständig zu verrichtenden Aufgaben betraut bzw. zur Regelung persönlicher Angelegenheit aufgefordert werden.
Der nächste Bericht kommt sehr wahrscheinlich schon aus Indien, da ich gerade mit frisch abgeholtem Visum im Zug aus Hamburg sitze. Man kann sich echt nicht vorstellen, was für ein Segen, die Reisefreiheit Europas ist. Nach unzähligen Anrufen kenne ich die Nummer des Indo German Consultancy Services schon in und auswendig und habe einmal mehr gelernt, wie wichtig die Tugend der Geduld doch ist.
Vielen Dank für eure Unterstützung und das Interesse!
Liebe Grüße & Namaste
Eure Sarah
Sakshi
Namaste
Hier, was eine Freiwillige über Sakshi schreibt - das Programm bei dem ich versuchen werde, so gut wie möglich mitzuhelfen:
Die Organisation Sakshi in Delhi setzt sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein, die zum größten Teil aus Slums kommen, um ihnen eine Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen.
Sie arbeiten viel im Bereich Bildung (zum Beispiel durch Computerkurse; Unterstützung von Regierungsschulen für Kinder aus Slums; unterrichten derer, die keine Möglichkeit hatten, in eine Schule gehen), der Aufklärung über zum Beispiel die Notwendigkeit von Hygiene, der Unterstützung im Alltag und der Betreuung jüngerer Kinder.Die Lehrer, die für Sakshi arbeiten, haben teilweise mehrmals im Monat die Möglichkeit, an Fortbildungskursen teilzunehmen und können dadurch neue Ideen für die Vermittlung von Lehrstoff entwickeln.
Auf Treffen innerhalb von Sakshi tauscht man sich über Probleme und Erfolge aus, die man während der Arbeit erlebt, und versucht zusammen Lösungsansätze zu finden.
Die Kinder und Jugendlichen sind bei Sakshi gut aufgehoben. Durch den Computerkurs zum Beispiel haben manche die Chance auf einen Arbeitsplatz erhalten.
Isabell, Freiwillige 2009/10
Ich freu mich darauf, bald von eigenen Erfahrungen zu berichten!
Liebe Grüße!
Erster Eintrag
Hallo ihr Lieben!
Ich habe es nun auch endlich geschafft, mir einen Blog zu erstellen! Ich hoffe, dass ich ihn in Zukunft auch noch verstehen lernen werde, damit ich euch von ganz vielen neuen, interessanten und vielleicht verwirrenden Erfahrungen berichten kann, die das nächste Jahr so bringen wird.
Schon in gut einer Woche geht es los. Am 10.9. fliege ich von Hamburg aus über Dubai nach Delhi, der riesig großen Stadt, die für das nächste Jahr mein Zuhause sein wird. Ich bin schon echt gespannt – auf die Menschen, die Farben, ungewohnte Gerüche und Geräusche!
Liebe Grüße, namaste
Sarah
